Heimspiel – diesen Lauf musste ich einfach mitmachen. So viele aus meinem Bekannten- und Freundeskreis sind ihn schon gelaufen und auch ich wollte an diesem Event in meiner schönen Studienstadt teilnehmen. Ziel war es wie erwähnt meine Bestzeit aus Kassel zu verbessern und vielleicht die 2-Stunden-Grenze zu knacken. Immerhin ist die Strecke an der Lahn schön flach, in Kassel hatte ich doch mit so mancher Steigung arg zu kämpfen. Andererseits ist es eigentlich jedes Jahr brütend heiß, wenn Marburg zum Nachtmarathon lädt – es waren sogar schon einmal 40 Grad, ohne dass die Verantstaltung abgesagt oder zeitlich nach hinten verschoben wurde. Ein Grund, warum eine Freundin von mir nach ihrer Teilnahme sagte, sie würde in Marburg nie wieder mitlaufen. Aber ich wollte mich nicht von Gerüchten und Erzählungen blenden lassen. Absagen können man ja auch immernoch, wenn es zu heftig wird.

Leider konnte ich die Wochen seit Kassel berufsbedingt nicht wirklich so trainieren wie ich wollte, aber der Reihe nach. Ich freute mich sehr, dass Heiko, Gerda und Christian auch nach Marburg kommen wollten. Außerdem entschied sich Jana spontan mitzulaufen. Christian und Heiko planten mich auf 5:38/km zu ziehen, damit ich unter 2 Stunden ins Ziel komme. Für die zwei nachtürlich kein Problem, für mich eher noch eine unsichere Sache. Irgendwie kam dann doch alles anders, Gerda wurde leider krank, sodass Heiko und sie in Frankfurt bleiben mussten und auch Jana erwiscte es noch am Freitag. Da sich aber Josef spontan entschied Christian und mich zu begleiten, war auch Heikos Meldung nicht umsonst und ich traf beide etwa eine Stunde vor Start am Unistadion. Zum Glück konnte ich meine Sachen bei Josef im Auto lassen, denn eine Kleiderbeutelabgabe gab es schon mal nicht. Gut, Marburg ist keine Großstadt, aber wer einen Marathon aufzieht, sollte doch wenigstens für die Aufbewahrung der Sachen sorgen. Es gab wohl Schließfächer, aber nicht genug für alle.

Alles verstaut trudelten wir bei strahlendem Sonnenschein und wohligen 24 Grad in die Oberstadt zum Start auf dem Marktplatz. Ich sah ein paar Leute, die ich kannte, Arbeitskollegen, die selbst liefen oder anfeuerten. Kurz vor dem Start wurde ich doch etwas nervös, obwohl es sich viel “normaler” anfühlte als sonst – schließlich stand ich ja “zu Hause in meiner Stadt auf dem Marktplatz rum”. Josef schoss fleißig Fotos und dann ging es auch schon los, quer durch die Gehstraße schön bergab. Wir standen so weit vorn, dass wir kaum Leute überholen mussten, sondern eher von ambitionierten Einzelläufern überholt wurden. Die Hitze war von Beginn an unangenehm, aber das war egal – wir lagen gut in der Zeit und mein Puls hielt sich auf hohem Niveau stabil. Es ging durch die Innenstadt und nach Wehrda, eine schöne Strecke mit viel Feld und toller Aussicht. Zurück dann an der Lahn zum Hauptbahnhof und zurück zum Unstadion. Dort wurde die Lahn überquert und wir liefen “meine Stadtstrecke” entlang bis nach Gisselberg. Anfangs konnte ich mich noch mit Christian unterhalten, doch ich war immer mehr darauf angewiesen, dass er mich ablenkt. Josef entschied etwa nach der Hälfte ein bisschen schneller zu werden und hängte uns langsam ab.

Das klappte super, er war ein toller “Hase”, gab mir etwas zu trinken ab und rechnete immer wieder durch wie wir aktuell im Plan waren. Für ihn war es eben ein flotter Spaziergang und so konnte er die schöne Landschaft genießen. Ab Kilometer 15 ging es mir langsam schlechter, ich musste Geschwindigkeit rausnehmen und bekam schlechter Luft. Es hatte sich nicht wesentlich abgekühlt und ich griff an den Trinkstationen sauch auf Cola zurück – Zucker war gut, aber die Kohlensäure ging gar nicht: mir kam richtig Mageninhalt hoch. Um den 17. Kilometer kämpfte ich auch noch mit Magenkrämpfen, die Arme und hinteren Oberschenkel begannen wehzutun, obwohl wir wirklich sehr viel langsamer geworden waren. Ich ärgerte mich sehr, ich kannte die Strecke, wusste genau, dass es nicht mehr weit bis zum Stadion war. Aber vielleicht war das der Fehler – ich kannte jeden Meter, jede kleine Steigung, jede Kurve auf dem Weg. Am RehaFit vorbei, unter der Brücke am Südbahnhof durch, um die Kurve beim Minigolf und immer geradeaus, am Aquamar vorbei und rechts herum ins Stadion. Am Wegrand lagen zusammengeklappte Läufer, wurden von Helfern mit Wasser versorgt.

Aber ich wollte nochmal kämpfen, wusste mir kann nichts passieren, solange Christian neben mir lief und so zog ich wieder etwas an, überholte andere Läufer. Selbst für einen kleinen Endspurt auf der Stadionrunde reichte es noch, auch wenn ich Christian vorher noch sagte, wie sehr ich diese Runden hasste, weil ich sie nie genießen kann und mich da immer noch besonders quäle. Aber wie von ihm gesagt riss ich im Ziel die Arme hoch und war einfach nur happy angekommen zu sein. Mit einer Nettozeit von 2:04:27 habe ich immerhin die PB verbessert und rückblickend wird auch klar, dass es einfach unrealistisch war sub2 zu laufen. Nur 5 Wochen nach dem HM in Kassel mit reduziertem Training bei diesem Wetter 8 Minuten schneller werden auf dieser Distanz war mir einfach nicht möglich. Ich schätze auch bei 15 Grad hätteich vielleicht noch 2 Minuten herausgeholt. Aber nun kann ich daraus lernen, die Distanz besser einschätzen. Jetzt weiß ich was ich verändern muss, welche Muskeln mehr Training brauchen, dass ich wieder disziplinierter Intervalle und lange Läufe angehen muss. Außerdem müssen die Wochenkilometer einfach wieder mehr werden. Mit all diesen guten Vorsätzen peile ich den Halbmarathon in Karlsruhe beim Badenmarathon Ende September an und vielleicht schaffe ich ja da sub2. Und selbst wenn nicht, eine Verbesserung wird bis dahin drin sein – und wenn es nur bedeutet, dass ich mich nicht so sehr quälen muss wie am Freitag. ;-)

Vielen Dank nochmals an Christian und Josef – es hat richtig Spaß gemacht mit euch und alleine hätte ich wahrscheinlich aufgegeben oder wäre sehr viel später ins Ziel gekrochen!

(Alle Fotos von Josef – danke auch für unser tolles Zieleinlaufbild!^^)

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6 Antworten »

  1. Supermario72 sagt:

    Hallo Jola,

    herzlichen Glückwunsch zum Finish!

    Ja – so ein Lauf mit “Pacemaker” ist schon eine feine Sache. Hatte ich auch schon einmal hier in Köln beim Halbmarathon.

    Auch wenn es diesmal für Dich noch nicht die sub2h war, so hast Du mit Sicherheit wieder ein Stück weit mehr Wettkampferfahrung sammeln können. Du wirst die HM-Distanz dadurch immer mehr und vor allem besser “verwalten” lernen, und dann ist auch bald eine Zeit unter 2 Stunden kein Thema mehr.

    Aber jetzt erhol Dich erstmal gut!

    Grüße aus Köln!
    Mario

  2. Laufhannes sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zum Finish!

    Optimal läuft es leider viel zu selten. Aber vielleicht hat da in den letzten Wochen wirklich nur etwas im Training gefehlt. Der Arbeitsalltag macht das sicher nicht einfach.

    Schüttel deine Beine gut aus und komm gut wieder ins Training!

    • Jola rennt sagt:

      Danke, es lag sich nicht nur am Wetter sondern auch am Trainingsmangel. Leider wirklich ein Problem, ich würde so gerne öfter trainieren, aber muss immer öfter bis abends arbeiten. Ab August kommen auch noch Rufdienste dazu, da kann ich nicht eben mal ein Stündchen laufen gehen, wenn ich gerufen werde, muss ich innerhalb von 30 Minuten in der Klinik sein. -.-
      Ich versuche trotzdem wieder auf ca 40 Wochenkm zu kommen.
      Lg :)

  3. [...] schon fest: der Strongmanrun mit Carmen und Jasmin, der Kassel Halbmarathon und der HM beim Marburger Nachtmarathon. Wie immer wird auf Spaß gelaufen, aber trotzdem wäre es cool, diesmal die 2-Stunden-Grenze zu [...]

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